Test: Wie viel Sattelprobleme müssen Sie kompensieren?

Ein viel zitiertes Missverständnis über die Sattelpassform ist einfach nicht aus der Reiterwelt zu verbannen: 'Ein schlecht passender Sattel ist nur schlecht für das Pferd.'

Kaum ein Reiter denkt darüber nach, welche Auswirkungen ein schlecht passender Sattel auf seinen eigenen Körper und die eigene Freude am Reiten haben kann. Und ich spreche hier nicht über echte Rückenschmerzen, wunde Knie oder steife Gelenke nach einem mehrstündigen Ritt am Vortag.

Nein, ich spreche von Auswirkungen die zunächst kaum bemerkt werden. Punkte an denen Sie vielleicht schon seit Monaten mit Ihrem Trainer arbeiten. Aber bevor Sie mutlos werden: liegt das Problem überhaupt an Ihnen? Oder macht der Sattel es Ihnen und Ihrem Pferd einfach so schwer?

Sieben Punkte die Sie bisher vielleicht übersehen haben:

1: Faul oder heftig?

Kann Ihr Pferd sich beim Reiten kaum entspannen? Am Putzplatz jedoch steht es gelassen, fast schläfrig...seltsam. Ist es faul? Oder heftig, hyperaktiv und rennt unter dem Sattel davon? Sind Sie sicher daß dieses Verhalten seiner Natur, seiner typischen Arbeitseinstellung entspricht? Oder hat es vielleicht Schmerzen und hat daher zuviel Adrenalin im Körper oder verkrampft sich?

2: Rund einstellen, dem Rücken zuliebe?

Hält Ihr Pferd den Rücken fest? Ob beim Aussitzen oder über dem Sprung, ein Pferd lässt sich nur dann bequem sitzen, wenn es den Rücken losgelassen aufwölbt. Aber was, wenn beispielsweise Ihr Sattel etwas zu klein ist für Sie und Sie dadurch ein wenig zu weit hinten sitzen? Wenn das Pferd steht oder Schritt geht, fällt das nicht weiter auf. Aber im Trab und Galopp wird der Sattel in die Lendenmuskulatur des Pferdes drücken. Geschieht das nur für kurze Zeit, wird es vermutlich kaum Probleme geben. Wird der Druck jedoch täglich ausgeübt, wird das Pferd seinen Rücken vorsorglich anspannen und festhalten um die empfindliche Partie zu schonen. Egal wie tief und rund Sie es dann reiten, es wird nicht helfen. Nachvollziehbar, oder?

3: Kontrollblick nach dem Reiten

Rutscht Ihr Sattel nach vorne? Viele Reiter meinen, ihr Sattel täte das nicht. Aber wann haben Sie das letzte Mal wirklich genau hingeschaut, bevor Sie nach dem Reiten den Sattel vom verschwitzten Pferderücken genommen haben? Das sollten Sie unbedingt tun! Wenn der Sattel nach vorn rutscht, wird die Beweglichkeit der Schultern eingeschränkt. Vielleicht arbeiten Sie ja gerade an Trabverstärkungen und fragen sich, warum ihr Pferd nicht so richtig aus der Schulter nach vorn schwingt. Oder Sie ärgern sich sogar, dass es nicht prompt auf den Schenkel reagiert.

4: Reiten Sie auf Steinchen?

Haben Sie ein Steinchen im Schuh? Nein, natürlich nicht. Vermutlich würden Sie nicht daran denken, mit einem Steinchen im Schuh zu gehen oder reiten. Schon eine etwas dickere Naht im Strumpf kann sehr unangenehm sein. Und doch…. Fühlen Sie mal auf der Unterseite ihres Sattels über das Polster… Wann wurde Polsterung zum letzten Mal überprüft? Klumpige Füllungen können Sie verhindern, wenn Sie die Polsetrung jedes Jahr erneuern lassen. Aber wer macht das schon, wenn der Sattel eigentlich noch gut aussieht. Und doch ist so ein kleines Wollknübbelchen für Ihr Pferd genauso spürbar wie für Sie das Steinchen unter Ihrem Fuß…. 

5: Weich abpolstern macht es nur schlimmer

Wo wir gerade über Wolle sprechen… wie ist es mit Ihrer Satteldecke? Haben Sie so ein schönes, weiches Lammfellpad? Dann besteht die Gefahr, dass das Pad den Wirbelkanal zu eng macht. Dieser Raum zwischen den Kissen sollte breit genug sein, damit sich die empfindliche Wirbelsäule frei bewegen kann. Ein Wollpad füllt diesen Zwischenraum auf und damit verliert er seine Funktion. Mit Reitergewicht und nach einer Stunde Training fühlt sich das Pad, und sei es noch so weich, für das Pferd an, wie Beton...auf der Wirbelsäule.

6: Alt oder eingefallen?

Ihr Pferd baut einfach keine Muskeln auf? Viele Hersteller versprechen schnelle Erfolge mit verschiedenen Präparaten zum „Muskelaufbau‘ als Pellets, Pulver oder Saft. Aber Muskeln können nur wachsen, wenn die Durchblutung gut ist. Ein Sattel, der beispielsweise vorn zu eng ist, zwickt und verursacht Muskeldystrophie wodurch die Muskeln  kleiner werden (Atrophie). Manche Pferde behalten  auch in hohem Alter einen schönen Rücken, weil auf einen gut passenden Sattel geachtet wurde. Andere Pferde haben bereits im Alter von 15 Jahren schon einen ‚alten Pferderücken‘, abgesenkt und schlecht bemuskelt. Das muss nicht sein! Ein gut passender Sattel könnte dies verhindern.

7: Falscher Blickwinkel?

Tritt Ihr Pferd nicht gut unter? Mag es sich nicht setzen in der Hinterhand? Je mehr Sie und Ihr Trainer konzentriert an der Hinterhand arbeiten, desto mehr rücken Reitersitz und Sattellage aus dem Fokus. Wenn Ihr Pferd durch die Ausbildung stark an Muskulatur zugelegt, wird Ihr Sattel nach und nach etwas weiter nach hinten liegen. Als Folge sitzen Sie hinter der Bewegung und bekommen mehr Druck auf die Knie. Gleichzeitig bekomt Ihr Pferd mehr Druck im Lendenbereich und wird Schwierigkeiten haben, mit der Hinterhand unterzutreten. Der Kern des Problems liegt also vorn, aber das wurde bei der eifrigen Arbeit an der Hinterhand schlicht übersehen.  

Sind Sie der Typ: 'Augen zu und durch'?

Haben wir denn alles besprochen? Nein, noch lange nicht. Wenn Sie vielleicht immer wieder in den Stuhlsitz rutschen, nicht ruhig im Sattel sitzen können oder Ihr Pferd zu allen Seiten schwankt, haben Sie dann schon einmal selbst kritisch den Sattel angeschaut? Die größten Schwierigkeiten gibt es meist bei Pferden die sich nichts anmerken lassen, mit Reitern die gut kompensieren können. Die Kombination aus Ehrgeiz und Selbstdisziplin kann dazu führen, dass Sie jahrelang hart an einem Problem trainieren, für das es eine einfache und schnelle Lösung geben könnte. Lassen Sie es nicht so weit kommen!